11.02.1998 16:31

Fast-Absturz über dem Julierpass

Ein Kollege lud mich eines Tages zu einem Testflug in die Alpen ein. Ein professioneller Pilot von der damaligen Swissair sollte auf diesem Flug ein Instrument im Flugzeug testen. Der Flug ging von Zürich nach Samedan im Engadin. Das wusste ich noch nicht wie dramatisch der Flug verlaufen würde!  

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Gestartet wurde beim Flughafen Zürich-Kloten mit einem üblichen Kleinflugzeug mit Platz für ca. 4 Personen und etwas Gepäck. Ein wunderschöner, aber kalter Tag im Winter, blauer Himmel und Sonnenschein über der ganzen Schweiz. Es erwartete uns also ein ruhiger und sicherer Flug. 

Wir waren relativ schnell über dem Kanton Graubünden in Richtung Julierpass. Soweit so gut! Kurz vor der Passhöhe des Julier schaute der Swissair-Pilot auf den Pass hinunter und sagte uns, dass es über dem Julierpass ziemlich heftig winde da er Schneeverwehungen sah. Wir drei dachten natürlich nichts Schlimmes da wir ja ziemlich hoch flogen. 

Aus dem Nichts gab es eine Art Knall! Man muss sich vorstellen man sitzt in einer Konservendose und ein Riese kickt die Dose durch die Gegend! Ich sass hinten und neben mir lag der Pilotenkoffen mit dem ganzen Kartenmaterial für die Navigation. Das Flugzeug schaute plötzlich 40 Grad in eine andere Richtung und befand sich jetzt auf einem "Absturz-Kurs"! Wir haben im Flugzeug alle heftig den Kopf an der Kabinendecke angeschlagen, der Pilotenkoffen flog durch die Kabine und verstreute seinen Inhalt in der ganzen Kabine. 

Ich denke, wenn nicht zwei sehr professionelle Piloten am Steuer gesessen wären,  wäre das Flugzeug eventuell abgestürzt. Dem Swissair-Pilot gelang es innert Sekunden das Flugzeug abzufangen und wieder auf Kurs zu bringen! Das Wetter war immer noch sehr schön aber wahrscheinlich gerieten wir in sogenannte Scherwinde über der Passhöhe. Diese können ganz schön heftig sein, wie wir an diesem Tag am eigenen Leib erfahren haben. 

Kurze Zeit später sind wir sicher in Samaden im Engadin gelandet. Uns steckte noch immer dieser Vorfall in den Knochen! Wir mussten als Erstes einen ausgiebigen Zvieri im Flughafen-Restaurant bestellen. Einige Zeit später starteten wir in Richtung Zürich. Mit einem etwas mulmigem Gefühl als wir über den Julierpass flogen. Die ruppigen Windböen waren immer noch aktiv aber nicht mehr so stark.

Etwas später landeten wir unversehrt in Zürich und waren froh, dass dieses Flug-Abenteuer so glimpflich endete. Und wir alle haben gelernt, dass man dem Wetter nicht immer trauen kann. Besonders nicht bei blauem Himmel und Sonnenschein!